Prim. Dr. Anderl spricht im Radiodoktor über…

Behandlungsmöglichkeiten von Schulterbeschwerden

Radiodoktor – Medizin und Gesundheit

Die Schulter ist eines der am intensivsten beanspruchten Gelenke des Körpers. Während sich im Büroalltag Hüfte oder Knie ein wenig erholen dürfen, arbeitet die Schulter auch hier unermüdlich weiter und muss die Folgen von Fehlhaltungen und Überlastungen, im wahrsten Sinn des Wortes, schultern. Der Vorteil des Gelenkes, seine gute Beweglichkeit, ist auch gleichzeitig sein Nachteil. Es ist im Vergleich zum Kniegelenk deutlich schlechter durch Knochen, Bänder und Muskeln geschützt – daher die geringere Stabilität und die höhere Verletzungsanfälligkeit.

Der Blick über den Schulterrand

Bei Schulterschmerzen ist in vielen Fällen gar nicht das Schultergelenk selbst für die Beschwerden verantwortlich. Der große Bewegungsumfang ist nicht nur dem Kugelgelenk selbst zuzuschreiben, sondern vor allem auch dem Umstand, dass das Schulterblatt am Brustkorb entlang gleitet, wie die Physiotherapeutin und Osteopathin Elisabeth Reichetseder erklärt. Biomechanisch gesehen ist es ein Zusammenspiel verschiedener Strukturen, die, wie Musiker in einem Orchester, gemeinsam nur so gut spielen können, wie ihr schlechtester Spieler. Bänder, Sehnen und Muskeln umgeben das Schultergelenk, das Oberarmknochen mit dem Schulterblatt und dem Schlüsselbein verbindet. Beschwerden können in jeder Altersgruppe auftreten.

Typische Beschwerdebilder

Beim altersbedingten, natürlichen Verschleiß, kommt es nicht nur zur Omarthrose, also einer Schädigung des Gelenksknorpels, sondern auch zu Verkalkungen oder Rissen in der umgebenden Muskulatur, der sogenannten Rotatorenmanschette. Bei jüngeren, sportlichen Personen sind es oft Überlastungen oder Verletzungen, die etwa beim Klettern, Schwimmen oder Bodybuilding auftreten können. Auch chronische Muskelverspannungen, vor allem im Hals- und Brustwirbelsäulenbereich werden als Schmerzen in der Schulter wahrgenommen. Beim Impingement-Syndrom, der Kalkschulter oder der als „frozen shoulder“ bekannten Schultersteife ist die Beweglichkeit schmerzhaft eingeschränkt. Letztlich ist die Schulter, aufgrund ihrer Anatomie, auch überaus anfällig für Ausrenkungen (Luxationen).

Physiotherapie, Osteopathie – und Operation

Neben Physiotherapie oder dem ganzheitlichen Ansatz der Osteopathie stellt die Schulterchirurgie die letzte Möglichkeit dar, um Beschwerden zu lindern. Allerdings waren die Ergebnisse, die man mit Schulterprothesen in der Vergangenheit gemacht hat, nicht immer zufriedenstellend. Hier sind in den letzten Jahren einige moderne offene Operationstechniken, aber auch arthroskopische Methoden hinzugekommen. Selbst bei abgenützten Schultergelenken lässt sich auf minimalinvasivem Weg ein künstlicher Gelenksersatz einsetzen: Statt das gesamte Gelenk zu entfernen wird nur der beschädigte Teil über eine schlüssellochgroße Öffnung ersetzt, ohne Sehnen oder Bänder durchtrennen zu müssen. Dies führt zu einer deutlich rascheren Genesung nach dem Eingriff. Auch bei irreparablen Schädigungen der muskulären Rotatorenmanschette, sogenannten Massenrupturen, lassen sich arthroskopisch gute Ergebnisse erzielen, wie Schulterspezialist Werner Anderl erklärt. Ähnliches gilt bei traumatischen Schulterluxationen, die als Folge von Verletzungen – etwa beim Downhill-Mountainbiken – entstehen können. Bei anhaltenden Beschwerden sollte rechtzeitig medizinischer Rat eingeholt werden, um möglicherweise nicht mehr behebbare Spätschäden zu vermeiden.

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